Reittherapie bei Autismus: Erfahrungen und Vorteile

Reittherapie · 01. September 2023

Ich bin Tanja Wilms, ausgebildete Reittherapeutin in Niederkrüchten. Als Mutter dreier Kinder, von denen mehrere mit Autismus und ADHS leben, kenne ich die Themen rund um das Autismus-Spektrum aus zwei Perspektiven: fachlich und ganz persönlich. Aus dieser Erfahrung heraus biete ich Reittherapie an, die auf die Bedürfnisse von Kindern im Autismus-Spektrum zugeschnitten ist.

Auf einen Blick

  • Für wen: Kinder von etwa vier bis elf Jahren
  • Stärkt: Körperwahrnehmung, nonverbale Kommunikation, Sicherheit
  • Rahmen: gleichbleibende, vorhersehbare Abläufe
  • Wichtig: begleitende Förderung, kein Ersatz für medizinische Behandlung
  • Start: unverbindliche Kennenlernstunde, ab 45 Euro

Warum Pferde Kindern im Autismus-Spektrum guttun

Kinder mit Autismus erleben die Welt oft intensiver und anders. Sozialer Kontakt, Sprache und unerwartete Reize können überfordern. Das Pferd bietet hier etwas Seltenes: eine Begegnung, die ehrlich und berechenbar ist, ohne den Druck verbaler Kommunikation. Es bewertet nicht, es stellt keine Fragen, es ist einfach da. Genau diese Klarheit schafft Sicherheit.

Das Pferd verlangt keine Worte. Es nimmt das Kind so an, wie es ist.

Sensorische Integration über die Bewegung

Die rhythmischen, gleichmäßigen Bewegungen des Pferdes bieten eine konstante sensorische Stimulation. Sie sprechen das vestibuläre System an, also den Gleichgewichtssinn, der bei vielen Kindern im Autismus-Spektrum anders arbeitet. Durch das Getragenwerden im Schritt verbessern sich Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Koordination. Gleichzeitig hilft die vorhersehbare Bewegung, Über- oder Unterempfindlichkeiten gegenüber Reizen besser zu regulieren.

Kind steht ruhig neben einem Pferd und legt die Hand auf seine Schulter
Ruhige Nähe ohne Worte: Das Pferd gibt dem Kind Halt und Orientierung.

Kommunikation ohne Worte

Pferde verständigen sich vor allem über Körpersprache. Für Kinder im Autismus-Spektrum ist das eine wertvolle Übung: Sie lernen, feine Signale zu lesen und ihre eigene Körpersprache bewusst einzusetzen. Diese nonverbale Verständigung überträgt sich oft auf den Alltag und erleichtert den Kontakt zu anderen Menschen. Viele Kinder beginnen im Lauf der Begleitung auch von sich aus zu sprechen, wenn sie dem Pferd etwas mitteilen wollen.

Sicherheit durch feste Abläufe

Wiederkehrende Strukturen geben Halt. Jede Einheit folgt deshalb einem klaren, gleichbleibenden Ablauf:

  1. das Pferd begrüßen und in Ruhe ankommen,
  2. gemeinsam putzen und versorgen,
  3. die Arbeit am Boden oder im Sattel,
  4. eine ruhige Abschlussphase.

Dieser verlässliche Rahmen nimmt Unsicherheit und macht das Erlebte planbar.

Aus der Praxis: Gerade die immer gleiche Reihenfolge ist für viele Kinder der eigentliche Schlüssel. Sie wissen genau, was als Nächstes kommt, und können sich deshalb ganz auf das Pferd einlassen, statt Energie auf das Unvorhersehbare zu verwenden.

Selbstvertrauen, das bleibt

Ein großes, ruhiges Tier zu führen und zu versorgen, vermittelt ein starkes Gefühl von Kompetenz. Kinder, die oft Unsicherheit erleben, sammeln hier echte Erfolgserlebnisse. Über die Wochen entsteht eine ruhige Bindung zwischen Kind und Pferd, die dem Kind hilft, sich zu öffnen und Schritt für Schritt mehr zuzutrauen.

Was die Reittherapie nicht leisten kann

Reittherapie ist eine begleitende, ergänzende Förderung. Sie ersetzt keine ärztliche, psychologische oder therapeutische Behandlung. Jedes Kind reagiert unterschiedlich, und wir gehen das Tempo, das Ihr Kind braucht. Bei medizinischen und entwicklungsdiagnostischen Fragen bleiben die behandelnden Fachpersonen Ihre erste Anlaufstelle.

Für welche Kinder ist das Angebot geeignet?

Mein Angebot richtet sich an Kinder von etwa vier bis elf Jahren. In einer unverbindlichen Kennenlernstunde finden wir gemeinsam heraus, ob die Chemie zwischen Ihrem Kind und dem Pferd stimmt. Mehr über meine Methoden und meinen Ansatz lesen Sie auf der Seite zur Reittherapie für Kinder.

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